12.06.2005

"Get Some -> Go Again!"

Oder auch: "Rückblickend ist man immer klüger."

Wie im letzten Post angedeutet, wollten wir Freitag nach Brüssel, um Henry Rollins auf Shock&Awe-Tour zu sehen.

Was draus wurde:

Zuerstmal eine massive Startverspätung von zwei Stunden, an der lange Einkaufsschlangen und der typische Stau um Köln herum Ursache trugen.

So weit so gut, wurden wir doch etwa anderthalb Stunden Autofahrt später das erste Mal von meinem Talent als Navigator im Stich gelassen. Meine Anfahrtsskizze und Autobahnwechsel-Aufzeichnungen sehe ich eigentlich noch immer nicht als Problem an - die Belgier haben einfach keine Ahnung von sauberer Ausschilderung!

(Die Gegendarstellung der Ereignisse von Adriane hierzu finden sich hier.)

Jedenfalls hatten wir eine etwa einstündige Kurverei um Maastricht herum (ich wollte die nördliche Strecke über die Niederlande und oberhalb von Maastricht nehmen) und kamen schliesslich bei Lüttich/Liege/Liek zurück auf eine ordentliche Autobahn. Aufgrund dieser Verfahrerei war es nun defintiv zu spät, um beim Etap am Flughafen einzuchecken, so das wir direkt in die Innenstadt rasten, um dort das Ancienne Belgique zu suchen.

Auch dort keine Ausschilderung, der man als Ortsfremder folgen könnte. Ich hatte zwar einen Ausdruck des absoluten Stadtkerns mit Parkhäusern, darauf befanden sich aber keine weiteren Details wie Strassennamen oder Wahrzeichen. Und natürlich fehlte ein gutes Teil Stadt vom Zubringer gen Stadtkern...

Jedenfalls kamen wir ich somit in die Verlegenheit, die dortige Polizei anzureden. (Brüssel liegt wohl im französisch-sprachigen Teil. Zumindest die Offiziellen waren arg ungewohnt/unwillig, mit mir in einer mit bekannten Sprache zu kommunizieren.) Hände-und-Fuss-Sprache, samt Gestammel von "Central Station?" und hin-und-her-deuten von doofem Ausdruck und dickes Gebäude an der Strassenseite, brachten das erhoffte Ergebnis - ein definierter Ausgangspunkt der Suche.

Fix im direkt daneben liegenden Parkhaus "Parking Albertine" das Auto untergestellt (FEHLER!) und das nötigste (aka: Geld. Sonst nix.) gegriffen und Richtung "Grote Markt" gestiefelt. Zweieinhalb verwirrende Gassen später wieder Polizisten gefunden, die uns von dort aus dann problemlos zum AB lotsten.

Erfreut und erleichtert zur Kenntnis genommen, das um 20.00 Einlass, und nicht Beginn war, Adriane hätte mich sonst wohl an Ort und Stelle erwürgt - gute Laune hatte Sie zu dem Zeitpunkt schon länger nicht mehr.

Henry war klasse! Zweieinviertel Stunden Amüsement u.a. über "Germans are no pussyboys" und Fahrten mit dem Transsibirischen Express später standen wir im Eingangsbereich und hofften auf Henrys Erscheinen und eine Signatur eines CD-Booklets. Leider erfolglos, im Gegensatz zu Düsseldorf.

Da wir den Tag über recht gehetzt waren, und nicht wirklich irgendwo Kalorien konsumiert hatten, suchten wir uns einen netten Schnellrestaurant-Griechen und überlegten das weitere Vorgehen. Da die belgischen Etaps keine Check-In-Automaten verfügen und man somit ausserhalb der Schalterzeiten (06.00 - 10.00, 17.00-22.00) nicht mehr an ein Zimmer kommt, beschlossen wir die Heimfahrt.
Es war 00.45 ...

Etwa fünf Minuten später kamen wir zum Parkhaus, und wunderten über die dort befindlichen Gestalten - zehn Sekunden später waren auch wir "wie bestellt und nicht abgeholt", denn die Rolltore waren unten und unser Auto eingesperrt. Inklusive allem Kram.
Stimmung!

Ein halbverzweifeltes Wesen im Arm, selber reichlich ratlos und ohne Verständigungsmöglichkeiten (alles sprach mal wieder nur französisch, juchhei!) waren wir nun nachts in Brüssel gestrandet. Auch war unklar, wann das blöde Parkhaus wieder öffnete. Da es sich unter einem Kongressdingsbums befand, bestand durchaus die Möglichkeit, nun bis Montag gestrandet zu sein ... und das war defintiv keine schöne Vorstellung.

Zum Glück befanden sich unserer Erinnerung nach ein paar Minuten zurück verschiedene Hotels, so das wir zumindest nicht ganz ohne Decke überm Kopf dastanden ... die Preise beim zuerst angesteuerten Novotel waren mir allerdings nicht bekannt - zumindest die "1" vor der "80" war erschütternd. Für ein Doppelzimmer für eine Nacht. Arghs. Aber man ist ja noch nicht vollständig verzweifelt und kuckt im nächsten nach - Ibis. Dort wollte man laut Aushang "nur" 109,-€ die Nacht, was uns als Notfallmässig akzeptabel vorkam.

Am Schalter wurde der Preis dann freundlicherweise schon direkt auf 98,-€
gesenkt, was schon erfreulich war. Eine kurze Nachfrage nach unserem Gepäck brachte nach unserer Erläuterung dann wohl noch ein kostenloses Frühstück mit ein, jedenfalls taten wir Bjorn defintiv leid. (Und wir hatten mit ihm eine nette Viertelstunde Gespräch, die ein wenig wieder aufmunterte.)

Vom Fernseher noch fröhlich als "Welcome to our hotel, Mr. und Mrs. Rauer" begrüsst worden, schliefen wir nach dieser Tort(o)ur wenigstens zügig ein und gut durch.

Am nächsten Morgen das Früstücksbuffet geplündert und früh gegen 10.00 ausgecheckt, überprüften wir das Parkhaus. Immerhin sollte zu diesen Zeiten ja ein ordentliches Parkhaus wieder aufhaben! Weit gefehlt. Jedoch war der diesmal angesprochene Passant in der Lage, mir den Scrolltext am Schild zu übersetzen. Das Ding würde mittags wieder aufmachen - also nur noch zwei Stunden warten. Erleichterung bei uns, Frustration bei ihm - sein Wagen stand auch drin.

Somit versuchten wir, die Zeit mit dreifachen Latschen über den Markt totzuschlagen, jedoch bauten die auch erst gerade auf, so das es dort nicht viel zu schauen gab. Beim Ausweiten des Schlenderns fanden wir dann noch in einer Seitenstrasse einen Merchandise-Laden, in dem Adriane doch noch fündig wurde: ein warmes T-Shirt von Slipknot, und eine Predator-Figurine.

Etwas weitere Zeit in einem Bistro zum Aufwärmen später kam die Zeit der Parkhausöffnung, und fünf Minuten später irrten wir dann im Auto durch die Stadt. (Hatte ich schon erwähnt, das die Ausschilderung in Bwelgien zum Schreien schlecht ist?) Einem seltenen Schild gen "Ring/E 40" folgend, stotterten wir quer durch eine Baustellensammlung, dann einen Zubringer mehrere Kilometer weit, bis die Ausschilderung einen U-Turn wünschte(!) und weitere Flucherei später tatsächlich dann die Auffahrt auf die E 40, auf der kurz vor uns sich dann jemand in einer Auffahrt zum Leitplanken-Ping-Pong entschloss. Noch eine Stunde Stop-N-Go, weil sich vier Spuren auf eine verengten...

Da nun Adriane vollends genervt war, folgten wir ihrer Interpretation der Schilder über Lüttich nach Aachen (die südliche Strecke) und kamen dann nach summa vier Stunden Fahrtzeit bei mir an.

Fazit: Ich fahre dieses Jahr defintiv nicht mehr zum "Urlaub" ins europäische Ausland. Erst recht nicht mehr mit dem Auto. Zwei Pleiten innerhalb einer Woche reichen.
Balkonien ist auch erholsam. Punkt.

Trackbacks

Henry Rollins “25 YEARS OF BULLSHIT” Europe Tour

rant machine? / 20.02.2006, 23:11

Mal wieder in den Spreeblick-Podcast nach einiger Abstinenz hineingehört, weil die Inhaltsangabe zwei Dinge verkündete, die mich derzeit interessieren - Seeed und Henry Rollins. Aufgrund Johnnys Erzählung wahrgenommen, das da in Kürze das alte...

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