07.11.2006

Lesestoff: George Orwell - 1984


(Bildquelle: Amazon.de)


Eine Dystopie über das Geschehen im Jahre 1984, geschrieben im Jahre 1948.

"Eine Perle der Weltliteratur", ein "absolutes Muss zu lesen" und was weiss ich nicht noch alles an Superlativen.

Dieses Buch lebt von der Betrachtungsweise, aus dem Weltbild der Zeit, in der es geschrieben wurde, den aufkommenden Zeichen und Zeiten eines Kampfes der Ideologien und Superstaaten. Und das beschreibt es - die politische und weltliche Situation einer möglichen Zukunft, in der sich drei Supermächte in einer Form stabilisiert haben, welche grotesk wirkt.

Im Prinzip dreimal das selbe, quasi-kommunistische, fremdenfeindliche, permanent im Krieg befindliche Staatsgebilde, welches eine Propagandaschlacht gegen den aktuellen Feind führt und in Wahrheit wohl gerademal kleinere Scharmützel im nicht aufgeteilten Afrika führt.

Was mich im Sinne eines Unterhaltungsromans massiv enttäuschte, war das Suhlen Orwells in den Beschreibungen des zerstörten, zerfallenen Londons, der quasi post-WW2-ähnlichen Armutsverhältnisse in denen grosse Teile der Bevölkerung leben und den Bemühungen und Überlegungen zur Agitprop und Politik der Partei.
Ich kenne und schätze durchaus Romane, deren grösster Teil der Handlung quasi aus Gedankengängen des Protagonisten besteht, aber 1984 langweilte mich den grössten Teil der Seiten mit Sightseeing zu Tode.

Der grosse Überwachungsstaat, der dort angesprochen werden soll, und auf den immer verwiesen wird, wenn es um datenschutzrechtliche Belange geht, ist meines Erachtens nach geradezu primitiv. Denunziantentum gab es schon häufiger, und "neu" ist in dem Sinne nur die massive AV-Überwachung und Propagandabeschallung der Bevölkerung bis in die Wohnräume hinein. Letzteres ist allerdings wirklich nicht mehr fern. Jedenfalls für Landefeld 1 Grossbritannien, die die AV-Überwachung ja derzeit mit Begeisterung flächendeckend vorantreiben und mit den "Ermahnungsansprachen" durch an den Kameras angeflanschte Lautsprecher auch die Grundlage zur flächendeckenden Volksbeschallung bereiten.

Fehlt nur noch eine Art grossflächige "Aktionsgruppe zur Korrektur von Falschinformationen in den Medien" und hey...

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